Helme haben eine klare Aufgabe. Sie schützen den Kopf. Daher könnte die Antwort lauten: Ein Helm ist immer sinnvoll. Wenn das aber so wäre, wären wir schon mit einem Helm zur Welt zu kommen.

Wann können wir also den Helm weglassen?

Immer dann, wenn ein Gegenstand und der Kopf sich begegnen können, gibt es mehrere Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich in der Frage, wer sich bewegt.

1. Kopf & Helm in Ruhe. Gegenstand in Ruhe. Kein Helm notwendig.
2. Kopf & Helm in Bewegung. Gegenstand in Ruhe. Helm sinnvoll.
3. Kopf & Helm in Ruhe. Gegenstand in Bewegung. Helm sinnvoll.
4. Kopf, Helm und Gegenstand in Ruhe. Helm sinnvoll.

Die Chancen stehen also 1 : 3, dass ein Helm sinnvoll ist.

Was macht der Helm? Er schützt. Wovor? Vor Kraft. Was macht er noch? Er baut Energie ab. Die Energie der Bewegung wird beim Aufprall in Verformung investiert. Besser der Helm verformt sich, als der Kopf.

Mit der Kraft ist es so: Je kürzer die Zeit ist, in der eine Bewegung auf Stillstand abgebremst wird, desto größer ist die Kraft, die dabei frei wird. Es braucht ja umgekehrt auch mehr Kraft, etwas in kurzer Zeit schnell zu machen. Kurze Zeit, viel Kraft. Große Beschleunigungen sind bei viel Kraft möglich. Schneller werden oder bremsen, beides braucht Kraft.

Und jetzt kommt der Helm ins Spiel. Er schafft uns etwas Zeit. Bei einem Aufprall auf Beton wird der Kopf in kürzester Zeit abgebremst. Große negative Beschleunigung (Bremsung), große Kraft auf den Kopf. Zu viel. Kopf tot.

Mit Helm kann sich der Kopf in der Polsterung ein wenig Zeit für das Abbremsen gönnen. Es wird weicher. Mehr Zeit. Geringere negative Beschleunigung, geringere Kraft. Kopf lebt.

Hinweis: Die Geschwindigkeiten sind bei Verletzungen dabei nicht unbedingt das Hauptproblem. Ein Zug, der vor einigen Jahren mit wenigen km/h auf einen Prellbock auffuhr, sorgte für große Verletzungen, weil Menschen schon an den Ausgängen standen und in kürzester Zeit – durch die Wand auf Null abgebremst wurden. Hohe negative Beschleunigung. Hohe Kraft. Gepolsterte Wände hätten mehr Zeit gegeben. Es ist aber klar, dass bei höheren Geschwindigkeiten die Beschleunigungskräfte beim Abbremsen üblicherweise höher sind.

Was ist jetzt mit dem Tier auf dem Darwin Video (oben)? Bei einem Auffahrunfall wären die Menschen am Motorrad durchaus geschützt. Sie würden auf das (weiche) Tier prallen, die Kräfte der negativen Beschleunigung wären geringer als ohne das Tier.

Physikalischer Hintergrund: Trägheitsgesetz (1. Newtonsches Axiom) – Ein Körper bleibt im Zustand der Bewegung, oder im Zustand der Bewegung, wenn es keinen Grund gibt, das zu ändern. Dieser Grund kann eine Kraft sein (2. Newtonsches Axiom) – es gilt der Zusammenhang: F=m*a (Kraft=Masse*Beschleunigung)