Wer steht im Mittelpunkt? Die Sonne oder die Erde? Das ist eine Frage des Weltbildes, eine Zusammenstellung von Theorien über unsere Welt.

Wer braucht schon ein Weltbild? Jeder, der wissen will, was hinter dem Horizont ist. Ist die Erde flach, dann wird es gefährlich an den Rändern der Scheibe. Ist sie rund, dann nicht. Es gibt “richtige” Weltbilder und scheinbar richtige Weltbilder. Oft ist es eine Frage des Abstands. Wer mit einer Rakete die Erde verlässt, wird schnell sehen, dass die Erde rund ist.

Ähnlich verhält es sich mit der Frage nach dem Lauf der Sonne. Wir legen uns ins Gras von morgens bis abends und wir erkennen sofort, dass sich die Sonne bewegt. Das müssen wir annehmen, denn es bewegen sich auf die Vögel und die Wolken am Himmel. Warum sollte das bei der Sonne anders sein? Das ist das geozentrische Weltbild. Es ruht die Erde. Wir im Gras. Und einmal pro Tag fliegt die Sonne über den Himmel. Sie bewegt sich. Nicht.

Das selbe Bild bekommen wir nämlich auch im Gras liegend, wenn wir annehmen, dass sich die Erde und das Gras mit uns dreht. Aber auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist nämlich dann nicht wie mit den Vögeln und den Wolken. Das ist mehr so, wie auf einem Bürosessel, auf dem man sitzt, und auf dem man sich herumdreht. Auch da fliegen die Bücher im Regal vorbei, die Bilder an der Wand. Aber eben anders herum. Die Bücher sind ruhig, die Bilder, die Wand. Wir drehen uns. Das ist das heliozentrische Weltbild. Sonne ruhig. Erde dreht sich. Und zusätzlich kommt noch eine weitere Drehung dazu. Einmal pro Jahr bewegt sich die gesamte Erde – mit ihrer täglichen Drehung – um die Sonne. Die ist also wirklich ruhig die ganze Zeit. Ja, das sagt das heliozentrische Weltbild. Die Sonne im Mittelpunkt.

Dass so gravierende Änderungen von Weltbildern nicht so einfach von Menschen zu akzeptieren sind – besonders wenn sie anderer Meinung sind – das ist klar.


Text: Lothar Bodingbauer. Link zur Slow-Science-Episode-SLS006: https://www.slowscience.at/sls006/