Arten des Erkenntniserwebs
1. Selbstwahrnehmung / unmittelbare Erfahrung. Beispiel: Ich weiß, dass ich müde bin, weil ich es gerade spüre. Allgemein bedeutet diese Art der Erkenntnis, dass man etwas direkt über den eigenen Körper oder die eigenen Gedanken weiß. Niemand anders kann das von außen überprüfen. Diese Erkenntnis ist sicher für die Person selbst, aber nicht unbedingt von außen kontrollierbar.
2. Alltagswissen / Hausverstand. Beispiel: Ich weiß, dass Feuer heiß ist, weil ich das schon oft erlebt habe. Allgemein entsteht Alltagswissen durch wiederholte Erfahrungen im täglichen Leben. Es ist praktisch und schnell verfügbar, kann aber auch falsch sein oder auf Gewohnheiten beruhen. Alltagswissen braucht nicht zitiert zu werden.
3. Beobachtung. Beispiel: Ich sehe, dass ein Apfel vom Tisch fällt. Allgemein beruht diese Erkenntnis darauf, dass man etwas mit den Sinnen wahrnimmt. Beobachtungen liefern wichtige Informationen, können aber täuschen und sind oft nicht systematisch geprüft.
4. Experiment / naturwissenschaftliche Erkenntnis. Beispiel: Ich messe, wie lange ein Ball fällt, und vergleiche mehrere Versuche. Allgemein bedeutet diese Erkenntnisform, dass man gezielt Bedingungen verändert und misst. Sie ist überprüfbar und wiederholbar und zentral für die Naturwissenschaften.
5. Logisches Denken und Schlussfolgern. Beispiel: Wenn alle Menschen sterblich sind und Sokrates ein Mensch ist, dann ist Sokrates sterblich. Allgemein entsteht diese Erkenntnis durch Denken und Ableiten. Sie ist unabhängig von Erfahrung, setzt aber richtige Ausgangsannahmen voraus.
6. Wissenschaftlicher Konsens. Beispiel: Ich weiß, dass die Erde sich um die Sonne bewegt, weil sich die Wissenschaft darauf geeinigt hat. Allgemein beruht diese Erkenntnis auf vielen Untersuchungen und Übereinstimmungen in der Forschung. Sie gilt als sehr zuverlässig, ist aber grundsätzlich vorläufig, nicht beweisbar aber unbedingt widerlegbar.
7. Autorität und historische Quellen. Beispiel: Ich weiß, dass Napoleon gelebt hat, weil es historische Aufzeichnungen gibt. Allgemein entsteht diese Erkenntnis durch Vertrauen in Fachleute, Lehrbücher oder Dokumente. Sie ist notwendig, aber abhängig von der Qualität der Quellen.
8. Medienwissen. Beispiel: Ich weiß von einem Ereignis, weil ich es in den Nachrichten gesehen habe. Allgemein stammt diese Erkenntnis aus Zeitungen, Fernsehen oder Büchern. Sie ist vermittelt und muss kritisch geprüft werden.
9. Soziale Medien und digitale Inhalte. Beispiel: Ich glaube etwas, weil ich es in einem Video auf TikTok gesehen habe. Allgemein entsteht diese Erkenntnis durch kurze, oft emotionale Inhalte. Sie verbreitet sich schnell, ist aber besonders anfällig für Fehler und Desinformation.
10. Intuition und Bauchgefühl. Beispiel: Ich habe das Gefühl, dass eine Situation gefährlich ist. Allgemein ist Intuition eine schnelle Einschätzung ohne bewusstes Nachdenken. Sie kann hilfreich sein, ist aber nicht zuverlässig überprüfbar.
11. Glaube und Offenbarung. Beispiel: Ich glaube, dass Gott die Welt erschaffen hat. Allgemein beruht diese Erkenntnis auf religiösem Glauben oder spirituellen Überzeugungen. Sie ist sinnstiftend, aber nicht empirisch überprüfbar.
12. Normatives Wissen (Werte und Regeln). Beispiel: Ich weiß, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollen. Allgemein geht es hier um Regeln, Gesetze und moralische Werte. Diese Aussagen sind nicht wahr oder falsch im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern gelten aufgrund von Vereinbarungen.
13. Konventionelles oder definitorisches Wissen. Beispiel: Ein Würfel hat sechs Seiten, weil wir ihn so definieren. Allgemein entsteht diese Erkenntnis durch Festlegungen und Definitionen. Sie ist innerhalb eines Systems eindeutig, aber nicht durch Beobachtung entstanden.
14. Metaphysische oder spekulative Erkenntnis. Beispiel: Es gibt keine Geister. Allgemein handelt es sich um Aussagen, die prinzipiell nicht endgültig überprüft werden können. Sie beruhen auf Weltbildern oder philosophischen Annahmen.
15. Introspektives Wissen über Einstellungen. Beispiel: Ich weiß, dass ich Physik mag. Allgemein beschreibt diese Erkenntnis persönliche Vorlieben und Meinungen. Sie ist für die Person selbst gültig, aber nicht objektiv überprüfbar.
Probleme:
- Man kann die Nichtexistenz von Sachen/Dingen/Ideen nicht beweisen.
- Wissenschaftliche Aussagen müssen widerlegbar sein. Man kann sie nicht vollständig beweisen. Das macht aber auch nichts, so ist Wissenschaft definiert.
- Als wahr gilt, was widerlegbar ist, und noch nicht widerlegt wurde. Im Sozialen ist Wahrheit ein Konstrukt: meine Wahrheit, deine Wahrheit, wie es „wirklich war“ und wie es in den Büchern steht.
- Viele Aussagen sind Behauptungen mit Wahrheitsanspruch. Daran haben wir uns gewöhnt. Obwohl sie nicht beweisbar sind, sind sie doch die beste Version der Geschichte, weil viele Menschen schon versucht haben, sie zu widerlegen, und es ist ihnen nicht gelungen.
- Wenn man etwas nicht beweisen kann, heißt das nicht, dass jede andere Erklärung genauso gut ist. Wissenschaftliche Beschreibungen wurden schon vielfach angegriffen, haben die Angriffe aber überlebt. Somit sind sie besser als andere.
Quelle: LB / Bearbeitung mit Chat-GPT5.2


